das Merinolandschaf (MLS)
1 Ursprung
Das Merinolandschaf entstand im 19. Jahrhundert in Süd- und Mitteldeutschland durch Veredelung bodenständiger Landschafrassen mit feinwolligen Merinorassen aus Spanien und Südfrankreich.
2 Kurzporträt
Es ist ein mittelgroßes bis rahmiges weißes Schaf mit keilförmigem, langem Kopf, mit idealerweise einem typischem Wollschopf (Schaupe) und breiten, leicht hängenden Ohren. Die Brust ist breit und genügend vorgeschoben. Die Mittelhand ist lang, mit straffem, breitem Rücken, guter Rippenwölbung und langen, tiefen Flanken. Die Hinterhand zeigt ein langes, breites Becken und gut befleischte Innen- und Außenkeulen. Die weiße Wolle hat Merinocharakter mit einer Wollfeinheit von 26–28 Mikron. Das Merinolandschaf ist frohwüchsig und zeigt eine hohe Mastleistung und Schlachtkörperqualität bei sehr guter Futterverwertung. Es ist weide-, marsch- und pferchfähig bei bester Eignung zur Landschaftspflege bei Hüte- und Koppelhaltung. Es besitzt eine hohe Fruchtbarkeit und Säugeleistung, asaisonale Brunst und gute Muttereigenschaften. Die Erstzulassung erfolgt im Alter von 10 – 15 Monaten.
3 Zuchtziel
Züchtung eines widerstandsfähigen, robusten Schafes zur wirtschaftlichen Lammfleischerzeugung unter unterschiedlichen Produktionsintensitäten während des gesamten Jahres mit typischer Merinowolle. Schlundhals, geringer Wollbesatz und Pigmentflecken sind unerwünscht, toleriert werden pigmentierte Augenlider. Zuchtausschließend sind deutliche Hautfalten, Pigmentierung im Vlies und starke Pigmentierung im unbewollten Bereich.
4 Zuchtmethode
Die Zuchtziele werden angestrebt mit der Methode der Reinzucht. Das Einkreuzen fremder Rassen ist nicht zulässig.
5 Erbfehler und genetische Besonderheiten
Die Rasse besitzt ein Scrapie-Resistenzgen. Es besteht die Möglichkeit eine genetische Resistenz gegenüber klassischer Scrapie zu erlangen. Das Ziel ist die Erhöhung der Resistenz gegen transmissible spongiforme Enzephalopathien (Scrapie). Böcke der PrP Genotypklasse G4 und G5 werden nicht gekört.
Die Erfassung von genetischen Besonderheiten und Erbfehlern erfolgt durch den Zuchtverband. Der Züchter ist verpflichtet, dem Zuchtverband alle bekannten Untersuchungsergebnisse zur Verfügung zu stellen.
6 Wesen
Das Merinolandschaf hat ein ruhiges, gutmütiges Wesen mit einem ausgeprägten Herdentrieb. Eine weitere Eigenschaft ist die Standorttreue.
7 Reproduktion
7.1 Ablammung
Asaisonal, angestrebt werden bis drei Ablammungen in zwei Jahren. Erstablammung im Alter von 15 bis 18 Monaten.
7.2 Fruchtbarkeit Auen (Aufzuchtwert)
Ø 1,8 Lämmer pro Muttertier und Jahr
8 Exterieurbeurteilung
8.1 Typ (Format)
Körper harmonisch, fleischig bis vollfleischig (T-H, Fettklasse 3), mit gutem Wuchs, gesundes Euter.
8.1.1 Farbmerkmale
Rein weiss
8.1.2 Kopf und Hals
Keilförmiger, langer Kopf idealerweise mit einem typischen Wollschopf (Schaupe) und breiten, leicht hängenden Ohren. Zahnstellung auf- oder anliegend, der Hals ist voll bemuskelt, mit Schulter und Widerrist gut verbunden.
8.1.3 Vorderhand
Die Brust ist breit und genügend vorgeschoben mit guter Rippenwölbung, die Schultern anliegend. Der Widerrist ist breit und geschlossen.
8.1.4 Mittelhand
Die Mittelland ist lang, mit straffem, breitem Rücken, guter Rippenwölbung und langen tiefen Flanken.
8.1.5 Hinterhand
Die Hinterhand zeigt ein langes breites Becken und gut befleischte innen- und aussenkeulen.
8.1.6 Gewicht, Widerrist, Rumpflänge
| | Körpergewicht (kg) | Widerristhöhe (cm) | Rumpflänge (cm)
| Altböcke | mind. 120 | 85 – 95 | 100 – 110
| Jährlingsböcke | mind. 50 | 80 – 90 | 95 – 105
| Mutterschafe | 75 – 120 | 70 – 85 | 80 – 100
8.2 Fundament
8.2.1 Gliedmassen
Gliedmassen kräftig, gut gestellt
8.2.2 Stellung/ Stand
- Hinterbeine korrekt gestellt; nicht kuhhessig oder o-beinig
- Vorderbeine breiter Stand, nicht x-beinig
- Leichte Sprunggelenkwinkelung
- Fesseln mittellang, gut getragen, federnd
- Klauen hart und leicht gespreizt
8.2.3 Gang
- Korrekt, gerade (nicht ausdrehend)
- Fessel federnd
8.3 Wolle
8.3.1 Bewollung / Vlies / Dichte
- Vliesbegrenzung: Linie Eutergelenk bis Ellbogengelenk, Ohren-Nackenlinie und Schwanzansatz
- Ganzer Körper von der Augenlinie bis zu den Knie- und Sprunggelenken gleichmässig bewollt
- Vlies rein weiss, dicht, ausgeglichen, mit festem Stapel
- Vlies frei von Stichelhaaren, Zwirn, Grannenhaaren und mischfarbiger Wolle
- Stapellänge in 180 Tagen mind. 4,0 cm
8.3.2 Feinheit
F 2–3 oder feiner
8.4 Schönheitsfehler
8.4.1 Ohne Punktabzug
- fehlende Schaupe (Kappe)
- Übermässige Bewollung im Kopfbereich
- schwarze Pigmentflecken um die Augen, schwarze Wimpern
9 Ausschlussgründe (Note 1)
Erste Beurteilung oder bis 18 Monate
- Typ: Einhodig, ungleich grosse oder fehlende Hoden im Sack Zwergwuchs Ungleiche Kieferlänge, unkorrekte Zahnstellung Schwanz nicht nach Eidg. Tierschutzverordnung kupiert
- Fundament: extreme Fehlstellung
- Wolle: Mischfarbige Wolle Stichelhaare und Zwirn im Vlies sowie übermässig viele Grannenhaare
9.1 Rassenspezifische Ausschlussgründe (Note 1)
Erste Beurteilung oder bis 18 Monate
- Rassenunreinheit
- Grössere, andersfarbige Flecken an behaarten und bewollten Körperteilen unter Berücksichtigung der Schönheitsfehler
10 Nicht beurteilen
Schafe ohne Ohrmarken
Zusätzlich für interkantonale Ausstellungsmärkte
- Tiere mit Krankheiten und Verletzungen wie: Klauenfäule, Flechten, Lippengrind, Gämsblindheit,
- Euterkrankheiten und Verletzungen, Einstrich, Geschlechtskrankheiten
- Tiere mit offensichtlich ungleicher Stapellänge innerhalb Vliesbegrenzung
- Stark abgemagerte Tiere
- Stark verschmutzte Tiere (Klunkern)